Apfelberg

Main-Tauber-Kreis, Gemeinde Werbach,

Gemarkung Gamburg

Fläche: 22,5 Hektar

Verordnung vom 11.04.1978, alte Verordnung

vom 20.12.1941 (12,4 Hektar)

TK 25: Blatt 6323

Nordwestlich von Werbach erstreckt sich die flach gewellte und zum Teil lössbedeckte »Wertheimer Hochfläche«. Hier ragt über dem Taubertal der markante Apfelberg auf. Vom Taubertal her weithin sichtbar, bietet er einen unverwechselbaren Anblick. Der Name »Apfelberg« (früher einmal Appelberg genannt) hat nichts mit der Frucht zu tun, sondern leitet sich wahrscheinlich von »Apilo« ab. Ein Edelknecht »Apilo von Dertingen« aus dem 14. Jahrhundert ist namentlich überliefert. Der Apfelberg ist das älteste Naturschutzgebiet im Tauberland. Bereits 1941 wurden 12 Hektar im Bereich der Bergkuppe unter Schutz gestellt. 1978 war eine neue Abgrenzung und die Erweiterung auf 23 Hektar erforderlich. Das bedeutende Magerrasen-Schutzgebiet ist ein wichtiger Bestandteil im Biotopverbund trocken-warmer Hänge entlang von Main und Tauber.

Der Apfelberg gilt als der westlichste Ausläufer des mainfränkischen Trockengebiets. Ursache für die seltene, Wärme und Trockenheit liebende Flora und Fauna der 379 Meter hohen Bergkuppe ist das vergleichsweise trockene und warme lokale Klima. Das Tauberland zählt zu den sonnenscheinreichsten, trockensten und wärmebegünstigsten Gegenden Baden-Württembergs. Weniger als 650 Millimeter Niederschlagfallen hier im Jahresdurchschnitt, nach Osten nehmen die Niederschläge noch weiter ab. Die Temperatur während der Hauptwachsstumszeit von Mai bis Juli beträgt im Mittel 15 °C. Geologisch liegt der Apfelberg im Unteren Muschelkalk. Die Kuppe wird von der Wellenkalk-Formation gebildet, die Hänge von der Mosbach-Formation (»Wellendolomit«). Teilweise lagert mächtiger kalkreicher Gehängeschutt darüber.

Schutzzweck des Naturschutzgebiets ist die Erhaltung der landschaftlichen Vielfalt und Schönheit der Kuppe des Apfelbergs und seiner Hänge. Trocken- und Halbtrockenrasen sowie Trockenwald und -gebüsch bieten einer artenreichen, Wärme und Trockenheit liebenden Pflanzen- und Tierwelt Lebensraum.

Die heutige Vegetation ist in erster Linie durch menschliche Nutzung entstanden: Noch gegen Ende des 19. Jahrhunderts wurde am Süd- und Südwesthang Weinbau betrieben, am Westhang befand sich eine Weide, und in den tieferen Hangbereichen bewirtschaftete man Äcker. Lediglich die Kuppe und der Nordhang waren schon immer bewaldet. In den folgenden Jahrzehnten schrumpften die Weinberge beträchtlich, Ackerland und Ödungen nahmen zu. Gegenwärtig ist fast die Hälfte des Naturschutzgebiets Wald, ein Drittel Kalk-Magerrasen und Wacholderheiden. Die übrige Fläche setzt sich aus Gebüschen und Ackerstreifen zusammen.

Die Waldkuppe des Apfelbergs hebt sich in bemerkenswerter Weise von den Wäldern ringsherum ab. Von den Halbtrockenrasen leitet eine Saumpflanzengesellschaft mit Blut-Storchschnabel und Hirsch-Haarstrang zu einem lichten, eichenreichen Seggen-BuchenWald mit Elsbeeren und Kiefern über. Eine Eigenheit ist hier die Badische Eberesche, ein Endemit und Bastard von Elsbeere und Mehlbeere, der nur im Taubertal und Maintal zwischen Tauberbischofsheim, Würzburg und Karlstadt verbreitet ist. Im Unterwuchs kommen Blauroter Steinsame, Berg-Kronwicke und Türkenbund vor. Der Nordhang wird von einem Buchenwald beherrscht. Der größte Teil ist allerdings Kiefernwald (Wald-Kiefer und Schwarz-Kiefer), welchem Laubholz beigemengt ist. Zu den wertvollsten Pflanzengesellschaften zählt die Blaugrashalde am Westhang des Apfelbergs mit dem namengebenden Kalk-Blaugras, Ästiger Graslilie, Fliegen-Ragwurz, Grünlicher Waldhyazinthe, Küchenschelle und Zartem Lein. Die Pflanzendecke ist nicht geschlossen, so dass der scherbig verwitterte Dolomit ins Auge fällt. Auf Kalk-Magerrasen und Wacholderheiden kommen Arten, wie Gelber Zahntrost, Elsässer Sommerwurz - hier die Unterart Mayers Sommerwurz -‚ Großes Windröschen und verschiedene Orchideenarten (Helm-Knabenkraut, Spinnen-Ragwurz, Mücken-Handwurz), vor. Eine große Besonderheit ist der Lothringer Lein, ein seltener zentraleuropäischer Endemit, der nur an wenigen Stellen in Frankreich und Deutschland anzutreffen ist. Er hat auf dem Apfelberg seinen einzigen Wuchsort in Baden-Württemberg. In den ackerbaulich genutzten Bereichen findet man einige recht seltene und gefährde te Ackerwildkräuter, wie Möhren-Haftdolde, Gelber Günsel, BlauerAcker-Gauchheil, Flammen-Adonisröschen, Hohlsame und Pfeilblättriges Leinkraut. Ein ehemaliger Steinbruch und einzelne Obstbäume ergänzen die Biotopvielfalt.

Eine herausragende Bedeutung hat der Apfelberg mit seinen großflächig ausgeprägten Halbtrockenrasen und einem optimal ausgebildeten Waldrand für Insekten. Uber 90 Schmetterlingsarten sind bekannt, darunter Schwalbenschwanz und Segelfalter. 19 Heuschreckenarten haben am Apfelberg ihren Lebensraum, beispielsweise der Warzenbeißer, der im Tauberland nur noch von einem weiteren Standort bekannt ist. Typisch ist auch die Zauneidechse. die in größerer Anzahl vertreten ist und der Schlingnatter als Hauptnahrung dient. Eine charakteristische Art der Trockenhänge im Tauberland ist der Langfühler-Schmetterlingshaft, ein aparter Netzflügler mit durchsichtigen Flügeln, der an eine Libelle erinnert und beim Flug im Sonnenschein zugleich ein schmetterlingsartiges Aussehen besitzt.

Hinweise für Besucher: Der Apfelberg zählt zu den beliebtesten Wanderzielen im Taubertal. Er ist von Gamburg oder vom »Kalten Bild« westlich von Werbach erreichbar. An seiner Westseite führt der Europäische Fernwanderweg »Nordsee-Rhein-Main-Donau« (E8), zugleich Hauptwanderweg »Main-Neckar-Rhein-Weg« (HW3), vorbei. Ein Rundweg zweigt von diesem Weg ab und führt rund um die Kuppe des Apfelbergs durch die charakteristischen Lebensräume. Die Wege dürfen allerdings nicht verlassen werden. Auch Zelten, Lagern und Feuermachen sowie Reiten sind verboten.

Ohne Pflege würde der Apfelberg innerhalb weniger Jahrzehnte mit Wald zuwachsen. Ziel ist es daher, die Kalk-Magerrasen offen zu halten. Das Forstamt Tauberbischofsheim führt aus diesem Grunde im Auftrag der Naturschutzverwaltung jährlich Landschaftspflegearbeiten durch, wobei aufkommende Gehölze, insbesondere Kiefern und Schlehen. kurz gehalten werden. Zudem wird der KalkMagerrasen seit 1982 regelmäßig beweidet. Auch einzelne Aufforstungen aus den letzten 50 bis 100 Jahren wurden schon gegen Entschädigung entfernt, so dass sich an deren Stelle wieder ein Kalk-Magerrasen entwickeln konnte.

Ulrike Kreh

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